Sog

Ich würde auch gerne einen Schwarm befehligen. Ein Heer an selbstorganisierenden, kommunikativen Einheiten, die ich in eine bestimmte Richtung lenken kann. Erledigt mir das, baut mir hier eine Themenwoche, geht mal dort mit 3.000 Menschen demonstrieren, grabt mir nun ein Wurmloch. Ich würde mir einen digitalen Laser-Pointer bauen und jeden Tag auf die nächste Aufgabe für meinen treuen Schwarm Putzerfische deuten.

Es hält sich der Mythos, dass eine Partei so funktioniert. Besonders von außen, wenn man Forderungen wie die obigen an uns Piraten heranträgt, wird dieser Anspruch der wuchtigen zentralen Steuerung aufgebaut. Doch niemand hat eine basisdemokratische Mitmachpartei in der Hand und kann sie an jegliche panische Sau ketten, die gerade durchs Dorf getrieben wird. Zudem ist die Romantik, das Lebensgefühl des immer heroischen Handelns längst vorbei. Einige Lifestyle-Revoluzzer wurden so enttäuscht, kamen ihren Aufgaben im Schwarm nicht mehr nach.

Auf die Verbliebenen übt der Schwarm einen fatalen Sog aus. Denn sie müssen die Lücken schließen, die die Bauchgefühl-Supporter in schwachen Phasen in die Organisation reißen. Jeder, der geht, reißt ein Loch – und verlangt mit der Geste seines Abgangs wahrscheinlich in obiger Logik, die Partei möge endlich dies und das tun. Der Schwarm frisst sich selbst, beutet sich zunehmend selbst aus, erhöht den Druck auf die Aktiven.

Es gibt weiterhin viel zu viel zu tun und doch möchte man nicht jeden neuen Besucher bei Vorträgen und Stammtischen darum bitten, Aufgaben zu übernehmen. Es ist also nicht nur das Basisdemokratische, dass uns nicht steuern lässt: Wir teilen zu wenig Zeit. Und damit meine ich den ganzen Dunstkreis unserer Partei, der sich pseudo-heroisch Unverbindlichkeit gönnt. Es gibt in dieser Partei trockene Verwaltungsarbeit und vieles mehr ohne Glamour zu tun. Und dann kommt wieder ein Klugscheißer mit Forderungen, als sei er Kunde bei uns, dürfe auf einem Service bestehen. Als sei unsere Partei ein Unternehmen, das lediglich seine Mitarbeiter auf die Straße bringen muss und dies dank der großzügigen Empfehlung des nicht-aktiven Mäklers jetzt erst und endlich merkt.

Danke für deinen Beitrag, du Theoretiker des Handelns.

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