Die Mitmachhürde – ego matters

Ich habe Freunde außerhalb des Piraten-Milieus. Seit ich mich offen zu meinem Einsatz für die Partei bekenne, kommt es dort immer wieder zu ähnlichen Fragen und Problemen in der Kommunikation, die sich wiederholen. Leider kann ich hier keine Komplettlösung anbieten – womit wir bereits beim ersten Problem wären:

„Ihr müsstet das Übel bei der Wurzel packen, viel grundsätzlicher diese Welt verändern, dann würde ich euch wählen.“

Aha. Diese Latte ist so hoch gehängt, dass jede Antwort und Erklärung zu trivialem Limbo verkommt. Neben der Vermutung, dass wir bereits jetzt unglaubliche Macht besäßen und der damit verbundenen Schuldfrage, warum noch nichts passiert sei, neben der Ansicht, die totale Herrschaft über dieses Land sei das einzige vernünftige Ziel politischen Engagements, sind konkrete Überlegungen also unerwünscht. Der Hinweis auf unsere Arbeit an Normen für dieses Land, an Lösungen und konkreten Verbesserungen fehlgeleiteter Politik zählen in dieser Perspektive nichts mehr. Es bleibt nur der Zonk.

„Ihr müsstet mal zu diesem oder jenem Thema Stellung beziehen und mit XY zusammenarbeiten, um denen eine Stimme in diesem Land zu geben. Das wäre ein Grund für mich, euch zu wählen.“

Eine Forderung, die ins Mitmachdilemma rutscht: Denn wir haben zu vielen Themen bereits genau dies gemacht. Der Gesprächspartner will sich hier jedoch als Impulsgeber verstehen und lässt dies nicht gelten, sieht Dich als Bremse seines vorübergehenden Mitmachdrangs. Er habe davon noch nichts gehört. Er interpretiert Deinen Hinweis auf die jeweiligen Programmteile als reines Abwiegeln und beklagt Deine Untätigkeit. Selbst eine Aufzählung von Aktionen der letzten Zeit wischt er mit der Klage über die ausgebliebene Revolution hinweg. Er erkennt den internen Aufwand und das vergangene Engagement nicht an. Er sieht die Partei als gescheiterten Service, der ihm in dieser Form das zukünftige Mitmachen nun endgültig vermiest. Er will seine eigene Überlegenheit über die Weisheit der Vielen partout nicht aufgeben, liest auch nichts nach. Zonk.

„Warum engagierst Du Dich in dieser Partei, obwohl sie Dich nicht bezahlt? Du bist seit Jahren knapp bei Kasse. Fang doch bei mir an!“

Eine gute Frage. Meist wird hier noch auf die aktuellen Umfrage-Ergebnisse verwiesen und deine Rationalität an sich in Zweifel gezogen. Auf diese Frage kann ich nur eine sehr ausschweifende Antwort geben. Manchmal bin ich kurz davor, stumpf zu erwidern: „Weil Du es nicht tust, Du asoziales Stück!“

Aber wir wollen ja weiter im Gespräch bleiben. Man sieht, wie sehr das Besserwissen Teil des stolzen politischen Subjektes ist. Der Gedanke, dass wir auch diese Kultur überwinden müssen, bleibt vielen Gelegenheitspolitikern eher verschlossen.

Ego matters. sad but true.

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2 Gedanken zu „Die Mitmachhürde – ego matters

  1. An dieser Stelle mal Danke für Dein Blog. :-) Die Beiträge finde ich spannend.

    Ja, Ego matters und steht uns immer und überall im Weg. Da man nur sein eigenes überwinden kann, was auch nicht einfach ist, aber nicht das von anderen, kann man nur damit leben. Innerlich schulterzuckend argumentieren und hoffen, daß die Worte oder die eigenen Handlungen irgendwann Früchte tragen.

    Nervig wird’s, wenn die Egos auf beiden Seiten groß sind und nicht überwunden werden und Streit resultiert, der dann nach außen färbt… siehe das meiste Popcorndings. ;-)

    • Besonders das Besserwissen wird im Schwarm immer wieder komische Blüten treiben. Die Leute brauchen ja Gründe, warum sie bisher nicht mitgemacht haben… :)

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