Die Piraten sind kein Flashmob mehr

Was bedeutet es eigentlich, ein „Aktiver“ zu sein?

Ich würde diese Frage sehr niederschwellig beantworten: Informiere dich über die zentralen Themen der Piraten in den Medien und sorge für deren Verbreitung. Überwachung, Bürgerrechte, Lobbyismus, intransparenter Staat, Bürgerbeteiligung, repressiver Staat, Minderheitenrechte und natürlich der Wandel durch digitale Vernetzung, der die große Chance von mehr Teilhabe und demokratischer Organisation in sich birgt.

Doch die Aufmerksamkeit für diese Erneuerung unserer gesellschaftlichen Kultur reicht noch nicht für die Existenz eines Verbandes. Die Zeiten, in denen man sich spontan für ein Aufreger-Thema zusammenfand und eine Aktion plante, sind heute oft nur Wunschdenken und ein verklärtes Bild einer Partei als ewiger Flashmob.

Natürlich ist dies immer noch möglich, aber neben der technischen Infrastruktur, dem Verwaltungsaufwand der Vorstände, der Ausschuss-Arbeit auf Bezirks- und Landesebene, den Social-Media-Kanälen und der Presse-Arbeit, der Arbeit an Artikeln für zahlreiche Homepages, der Pflege von Kontakten zu Initiativen, der Einarbeit in komplexe Themen und der Recherche zu skandalösen Zusammenhängen des alten System, neben den Flyer-Texten, der Druckabwicklung, dem Design und der Plakatproduktion, neben den Infoständen, dem Flyern an Bahnhöfen, Bürgergesprächen, Demonstrationen, Vortragsreihen, die organisiert, beworben, live-gestreamt, aufgenommen und aufbereitet werden wollen, neben dem Antrag schreiben und korrigieren für Parteitage und der Lektüre all der anderen vor der Abstimmung, neben all dem bleibt wenig Zeit. Wir verschenken sehr viel Zeit mit dieser Partei im positivsten Sinne.

Doch es macht Spaß, denn es gibt immer wieder diese Momente der erfolgreichen Arbeitsteilung. Und es gibt eine gemeinsame Philosophie, die viel Diskussionsarbeit erspart: Denn zumindest in meinem Umfeld sind die unterschiedlichsten Menschen erstaunlich oft der gleichen Meinung. Wenn jetzt noch ein paar Aktive dazu stoßen würden, wäre viel möglich für September.

Und sei es lediglich, dass ihr eure Aufmerksamkeit auf die Partei-Krusten lenkt, die diese Demokratie niemals heilen wollten. Für sie ist die Zukunft grün-technikfern, rosa-hartzIV-sozial, rot-unterkomplex, blau-monarchisch, schwarz-repressiv, gelb-neoliberal. Und wir sollten sie in ihrem politischen Handeln überwachen – so wie sie es mit uns im Privaten bereits tun.

GTFO

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2 Gedanken zu „Die Piraten sind kein Flashmob mehr

  1. mal im ernst:
    die piraten sollen mal wahrnehmen, wie die öffentlichkeit sie immer noch sieht !!! sie wissen immer noch nicht, solche steilvorlagen wie prism oder bushido zu nutzen.
    viele aus dem stimmvieh wollen keine veränderung und können wählen was sie wollen, aber sehr viele wollen eben eine veränderung. man hat gelernt, dass egal welche partei man wählt, es zu keiner veränderung kommen wird.
    einzigartig ist aber im wahlprogramm der piraten „das bedingungslose grundeinkommen“.(hierzu gibt es bereits europaweit eine initiative).
    nach dem ausschlussverfahren kommt man dann sehr schnell auf die alternativlosen „basisdemokratischen piraten“, zwar (noch) nicht regierungsfähig, aber aus einem solchen chaos kann dann nur etwas neues entstehen.
    liebe grüsse von hier

    • Wir nehmen durchaus wahr, wie die Öffentlichkeit uns sieht. Die zahlreichen Demos zum Thema Prism und Tempora und Bestandsdatenauskunft und Vorratsdatenspeicherung etc. sind für die Berichterstatter aber nicht mehr viel wert. In Hamburg wurde z.B. über eine Demo berichtet, gerade weil sie nicht von Piraten angemeldet war. Das wäre ja auch nichts „Neues“ gewesen. Unsere Partei-Prominenz hingegen ist sehr gefragt in Talkshows und Publikationen. Wir haben zudem ein europäisches 6-Punkte-Programm mit den Piraten aus anderen Ländern erarbeitet, denn das Thema flächendeckende Überwachung ist internationaler als Deutschland. Aber auch das lokale Hamburger Bündnis steht nun: http://www.stop-watching-hamburg.de/

      Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre tatsächlich eine neue Qualität in dieser neoliberalen Welt. Bisher ist viel zu oft ‚Angst‘ die Grundlage für Entscheidungen. Ein schlechter Ratgeber… und zudem ein repressives Herrschaftsinstrument.

      Gruß aus Hamburg.

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