Stop Watching Us – Demo war gestern

Hamburg war dabei. Piraten und CCC haben viel Arbeit in die Orga und das Bündnis für die Demo gesteckt. Wir Piraten mussten uns in unserem Kernthema mal wieder zurückhalten, da andere Parteien, die intellektuellen Hipster (guter Text: lesen!) der Digitalen Bohème und NGOs sonst virtuelle orangene Pusteln bekommen hätten und trotz Snowden, prism, tempora und bestem Wetter verschnupft im Bett geblieben wären. Wir in Hamburg haben es für die Sache gerne gemacht und dezent Moderator, Ordner, Bastler und Fahrer gespielt. Immerhin gab es kein Fahnenverbot wie gelegentlich bei der „Digitalen Gesellschaft“. Die Stadt plakatieren, tausende Offline-Flyer verteilen und das Social Media Ding mussten trotzdem wir machen. Wir Piraten haben hier alles gegeben und solide organisiert. Mit welchem Ergebnis?

Eine tatsächliche Demo. Also eine, bei der man das Ende des Zuges nicht mehr sehen oder ahnen kann und Menschen unterwegs sind, die sich gegenseitig nicht kennen und aus eigenem Antrieb dort rumlaufen, nicht weil es cool ist und die anderen auch da sind. Die Zahlen schwanken zwischen 500 (nt-v), 1.000 (tagesschau), 2.500 (Polizei, Bündnissprecher), 3.000 (Spiegel) und 4.000 (Piraten). Ein guter Anfang und die Forderungen des Bündnisses haben alle unterschrieben – selbst die LVs der Grünen und der FDP.

Die SPD hingegen wollte vorab nicht zum CCC-Treffen kommen und Bündnis spielen, hat aber am Tag der Demo über Twitter die netzaffine Wählerschaft mit einer Einladung bespielt, auch Nico Lumma hat zur Teilnahme aufgerufen: Man ist für jedes kleine Zeichen der Vernunft dankbar in der SPD. Vorangegangen waren absurde Dialoge auf der Seite des Facebook-Events und auch nach der Demo wurde der Vorfall eines armen Irren, der den Redner der FDP von der Bühne schubsen wollte, ausgeschlachtet und gleich alle Veranstalter und Demonstranten als Undemokraten angegangen. Damit beschäftigt sich dieser Tage also die SPD.

Wir sollten uns beim Thema jedoch nicht spalten lassen.

Dass hauptsächlich die FDP-Eskalation Stoff für Medienberichte war, hätte sich jeder denken können.

Dass im Sinne des Zweikampfes Merkel-Steinbrück die SPD trotz Abwesenheit in Berichten zum Thema befragt wurde: geschenkt.

Dass die Piraten als treibende Kraft hinter diesem Aktionstag oft nicht gewürdgt wurden: Wir sind es längst gewöhnt.

Aber:

Dass in anderen Städten die Bürger nicht so zahlreich auf der Straße waren und wir in Hamburg die größte Demo spielen mussten: Das macht mir Sorgen.

Klar kann man Entschuldigungen suchen, Wetter, Platzqualität, Sommerloch und ‚Samstag ist doch Shoppingtag!‘ anführen, aber es bleibt die Frage nach Dir, mein Leser/ meine Leserin. In Sachen Bürgerrechte müssen wir Piraten Deinen verdammten Job machen und Du wählst am Ende doch SPD oder vergibst Deine Stimme im September wohlmöglich gar nicht, weil Dir in unserer Partei irgendwo eine einzige Fresse nicht passt. Nie mit jemandem geredet und bereits einen buchdicken Katalog voller Vorurteile für politische Malocher.

Du enthüllst mit Deinem Verhalten die eigentliche Wahrheit über Edward Snowden: Wegen Dir braucht es ihn und andere Whistleblower. Demo war für Dich immer gestern.

Doch lass uns bei diesem wichtigen Thema nicht spalten. Jeder – auch Du – bekommt eine Zweite Chance, seine Bürgerrechte zu verteidigen. Denkt in der Zwischenzeit mal über euch nach…

Hier noch ein Bericht auf Hamburg1, der den Tag gut zusammenfasst.

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