Eichhörnchenquote in Hamburg

Ich wollte diesen Beitrag erst spaßeshalber „quit pro quote“ überschreiben, aber so schlimm ist es dann doch nicht: Es gibt derzeit Anträge zum BPT in Bremen für eine Eichhörnchenweibchenquote auf Listen und in Gremien der Piratenpartei von 33,33333 (etc.) Prozent. Ich gehe davon aus, dass die Antragsteller die Absicht verfolgen, mehr Menschen für die Mitarbeit in der Piratenpartei zu begeistern und hier auch einen leichten Druck zu implementieren, bisher unterrepräsentierte Gruppen mehr zu fördern. Diesem Ziel kann ich mich anschließen, auch wenn ich die Aktiven, die man im Landesverband Hamburg für das Headhunting und die eichhörnchengerechte Integration abstellen müsste, schmerzlich vermissen würde. Leider sind besonders die Eichhörnchenweibchen in meinem Landesverband zu einem Großteil in Vorstandsämtern gebunden oder machen gerade Vorstandspause, so dass ich gar nicht wüsste, wer im Moment den Safespace für unterrepräsentierte Gruppen organisieren könnte. Zudem zeigen sich einige dieser Personen irritiert und begründet verstimmt über die Quotendiskussion. Konsens ist eine Quotenregelung derzeit in Hamburg nicht – so meine bisherige Einschätzung.

Bleibt die Crux mit dem vermeintlichen Ziel der Anträge, das ich durchaus für ehrenvoll und unterstützenswert halte. Es ist kompliziert.

Hinzu kommt noch eine problematisch praktische Seite: Wir haben bald (Ende Mai 2014) Bezirkswahlen und wären unmittelbar betroffen von den Anträgen, denn z.T. gäbe es Aufstellungsversammlungen (AVs), die nach der alten und nach der neuen Regelung stattfänden. Der Druck für die 54 Wahlkreise, überhaupt jeweils 3 zahlende Mitglieder zusammenzubringen, um eine geheime Wahl zu garantieren, ist enorm. Hier zusätzlich – durch die Muss-Regelung des Antrages zwingend – auch noch die Gruppe, auf die sich die Quote bezieht, auf die AVs zu schleifen und dann auch direkt auf Listen und in Direktkandidaturen zu zwingen, ist für die Bezirke unmachbar und auch extrem uncharmant bis hässlich. Ich fühle mich in diesem Akt ekelig übergriffig. Effektiv hätte nach dem Quotenvorschlag jede Dingsgeschlecht direkt einen Platz und persönlich auch keine Wahl zum Wohle der Partei; auch die Mitglieder, für die wir eine ‚geheime Wahl’ aufwändig organisieren müssen (min. 3 pro Wahlkreis), hätten nach jetzigem Stand keine Wahl, da es nirgends genügend Quotenbezogene gibt. Dass hierbei zudem Unterschiede manifestiert werden, lasse ich in diesem Beitrag mal außen vor, da zu offensichtlich.

Bisher wurden Frauen in Hamburg immer in Ämter gewählt, weil wir jeden als Menschen ernst nehmen und alle ohne Safespace miteinander reden können, um uns voneinander unseren Eindruck zu machen. Für die, die es nicht wissen oder ausgeblendet haben: Vier von sechs Bezirksvorständen sind Damen, bei den Bundestagsdirektkandidaten war es 50/50 und ich hätte einigen mit ihren Doppelbelastungen mit parallelem Vorstandsamt zwischendurch gerne mal eine Pause gegönnt. Aber unsere starken Frauen wollten es so und sind überdurchschnittliche Leistungsträger bei uns: Sorry Jungs . ;)

Die Quotendiskussion wird also von außen an Hamburg herangetragen und ich kann ihre abstrakte Motivation begreifen, ihre konkreten Eingriffe aber derzeit in Hamburg nicht vertreten. Dass Hamburg hier als Postgender-Verband u.U. einen Sonderweg gehen muss, macht mich traurig über den Rest der Republik.  Was seid ihr eigentlich für Idioten da hinten?

Nutzt bitte diese Diskussion, um eure Arschlöcher zu identifizieren, bitte heißt mehr Menschen in der Piratenpartei auf Augenhöhe willkommen und lehnt in Bremen die Anträge ab.

Soweit,

Lieben Gruß,

Pi

Hamburger Beiträge zu Quotendiskussion:

Wyrdyrias Blog – Warum ich gegen Quoten bin

Denken mit Jinx – Pest, Cholera, die Quote und ich

Gehirnakrobatik – Quote und so (22.10.2012)

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Jemand™ ist tot

Um es mal kurz für mich zu verarbeiten: Ab gestern gibt es Zuständigkeiten im Hamburger Landesvorstand. Yes Yör! Auch ich habe mir meinen Teil der Arbeit abgeholt. Der Plan, für Außenstehende jedem Vorstandsmitglied einen benennbaren Bereich zuzuordnen – wie z.B. Vertretung der Partei nach Außen, oder Planung Landesweit, etc. – wurde jedoch bisher nicht erreicht.

Grund für Letzteres war auch die spontane Vertagung, da wir eine volle Tagesordnung hatten und mit dem Zwischenstand schon recht zufrieden sind. Ich hege die Vermutung, da nur ich darin einen Sinn sehe, wird es von den anderen nicht mehr vorangetrieben. Trotzdem sind unsere Profile jetzt schon relativ aussagekräftig.

Es wurde jeweils eine Hauptverantwortlicher (1) und Vertreter (2) im Vorstand für jede Einzeltätigkeit gesucht und gefunden. Ich fasse hier mal die Streber und Einserkandidaten zusammen. 

Erik wird bei uns wohl der Ansprechpartner für die IT, kümmert sich zudem um den Überblick über alle Termine, deren Pflege im Kalender und wird sich etwas dem Open Space am Freitag annehmen. Eine schöne Mischung. Momme wird den Mailverkehr im Blick behalten, die Anmeldung für Infostände übernehmen, kümmert sich um die Schlüsselvergabe und –Rückholung für die LGS, macht bei uns die Satzungsarbeit und hält als Jugendvertreter natürlich den Kontakt zu den Jupis. Kassette hat sich die AG Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf die Fahnen geschrieben, will die parteiinterne Meinungsbildung organisieren und Richtung Konferenzen und Parteitage das Geschehen etwas aufbereiten und in Parteimedien gießen. Raul sieht sich prädestiniert für die Mitgliederverwaltung und arbeitet daran bereits verlässlich. Die Betreuung von Neumitgliedern ist hier ein separater Bereich und bezieht sich auf unsere Piratentreffen und die AG DMM. Zudem will er durch Schulungen und Fortbildungen für den Wissenstransfer und -Zuwachs in der Partei sorgen. Thembi hat erwartungsgemäß viele Bereiche, die mit Ausgaben und Abrechnungen zu tun haben, übernommen. Angebote einholen, Einkauf, Finanzplanung liegen also bei unserer Schatzmeisterin. Katja wird unsere Orga-Chefin. Seien es Landesparteitage, Vorträge, Infoveranstaltungen oder Diskussionsabende: Katja hat da den Zug, die Sachen auf die Beine zu stellen. Dies natürlich immer mit unserer Unterstützung. Sebastian wird weiterhin den Kontakt zu Bündnissen und Initiativen pflegen, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit dabei sein und natürlich je nach Thema Interview-Anfragen und Einladungen zu Podiumsdiskussionen wahrnehmen.

Ich werde so gut es geht die Informationen im Landesverband fließen lassen, die Vor- und Nachbereitung unserer Treffen übernehmen, mich oft auf Bezirksstammtischen blicken lassen und unser Tun über die Kanäle Twitter und Facebook in die Welt bringen. Auch das eine oder andere Vernetzungstreffen auf Bundesebene könnte ich mir vorstellen, um zu gucken, ob man mit den Pipos arbeiten kann. Ich halte meine Aufgaben für machbar und habe sie derart auch bereits vorher erledigt.

Es bleibt auch in diesem Vorstand weiterhin die Losung: Wir leben von den Initiativen unserer Mitglieder und hoffen da auf viele Ideen.

Ob der bisherige Plan so bleibt, werden wir nach vier Wochen sehen, wenn jeder den Aufwand seiner Geschäftsbereiche abschätzen kann. Ich bin gespannt.

Basis trotz Vorstand

Ich hoffe, durch mein Vorstandsamt sind die Erwartungen an dieses Blog nicht gestiegen, sondern weiterhin konstant bei minus zehn. Warum ich mir das wünsche? Weil ich nicht möchte, dass meine Worte mehr als sich selbst benötigen, um Gewicht zu haben. Können Sie mir bitte nicht folgen.

Ich habe keine Lust, anderen das Denken abzunehmen. Ich provoziere viel lieber den richtigen Moment, in dem Menschen sich verändern, oder eine gemeinsame Philosophie erwächst. Ein Vortrag ohne Fragen oder ehrliche Neugierde auf fremde Einstellungen liegt mir nicht.

Doch jetzt ist es leider soweit und ich sitze im Vorstand und muss so tun, als sei ich klüger als andere Piraten in diesem Landesverband. Könnte so tun also ob. Sollte es lieber lassen und weiterhin auf Augenhöhe diskutieren. Auch dieses Blog bleibt locker leicht und lässt den Leser gerne nachdenklich zurück. Für die einfachen Antworten sind andere Parteien zuständig.

Ich fühle mich weiterhin als Basis trotz Vorstand und hoffe, ihr nehmt mich nur ernst, weil einige meiner Ideen Sinn machen. Ich hoffe, ihr seid niemals Basis ‚trotz‘ Vorstand und werdet in Zukunft viele eurer Initiativen mit uns erfolgreich umsetzen. Dafür sorge ich von meiner Seite aus gerne.

Danke für das Vertrauen, dass ich Vorstand kann. Jetzt muss ich euch noch vertrauen, dass ihr Basis könnt… ich werde dies regelmäßig überprüfen. ;)

Gruß in die Runde,

Pi

Das defensive Dilemma der Altpiraten

Ich mache heute mal das mit der Redundanz. Nicht im Rahmen dieses Blogs aber das Thema an sich ist zeitlos: Niemand betritt mehr Neuland, wenn er frisch zu den Piraten stößt. Wir stoßen alle nur noch dazu.

Manche wähnen sich natürlich trotzdem als Pioniere. Man kennt dieses Szenario von Stammtischen oder Gesprächen auf der Straße, wenn erneut jemand mit Elan eine simple Lösung für unsere Partei vorträgt, obwohl der Pirat vor ihm sicherlich nicht einfältig ist und vermutlich etwas häufiger als der spontane Stürmer und Dränger über diese Partei nachgedacht hat, in der er recht offensichtlich Mitglied ist.

Hier die Balance zu halten, zwischen der eigenen beleidigten Intelligenz und der Ermunterung des Neulings, sich in Zukunft bei uns zu engagieren, ist eine hohe Kunst. Denn wer hier in Selbstverteidigung verfällt, hat rhetorisch längst verloren: Niemand will von einem Vertreter der Mitmachpartei hören, dass die Dinge nunmal ihre Gründe haben und man bereits alles versucht hat. So kann man niemanden für uns begeistern.

Auch das auf die Medien Schimpfen überwindet diese Haltung nicht. Unsere Partei steuert in ein defensives Dilemma. So wird man keinen Aufbruch gestalten.

Und dies ist besonders tragisch, wenn einzelne engagierte Menschen zu uns stoßen, denn sie kennen die alten Geschichten nicht, sie kennen die alten Kämpfe nicht und sie wollen einfach nur loslegen. Doch die Altvorderen türmen historische Probleme auf, betonen die Redundanz der vorgetragenen Idee, halten allzeit gültige Anekdoten gescheiterter Anläufe schützend vor sich. Manche werden dies beschönigend „Erfahrung“ nennen; für jede Initiative neu eingetroffener Piraten ist dies der Tod. Und oft das Ende jeglicher Zusammenarbeit.

Die moderne Piratenpartei weiß also selbst manchmal nicht, wie sie mit Wandel umgehen soll. In Hamburg hat sich der Kreis der Aktiven z.B. stark verändert und durch Wegfall vieler alter Recken auch verkleinert. Gleichzeitig waren einige noch im Begriff, das vermeintlich Chaotische der alten Truppe einzudämmen, Kontrolle in den Laden zu bringen und sich zu professionalisieren, obwohl die Gründe für dieses Verhalten längst verschwunden waren. Wir sind 2013 sogar wieder 2%-Partei und die Akribie, sich in allen Details staatstragend zu geben, wird uns niemals retten. Im Gegenteil: Es hat viele gebremst und entmotiviert, die mit dieser einst als unkompliziert wahrgenommenen Partei etwas auf die Beine stellen wollten. Dass in Hamburg der Fokus auf Aktivierung, Ermunterung und Leinen los* hätte liegen müssen, dafür fehlte vielen die Einsicht. Wie viel Kraft und Hartnäckigkeit es bedurfte, das Thema Willkommenskultur und die Integration neugieriger Baldpiraten auf unseren Treffen im Gespräch zu halten, hat mich fast verzweifeln lassen. Ich weiß nicht, ob es der Luxus der alten Hype-Jahre war, der sie verwirrt hat, oder die ewig paranoide Sorge, dass jeder neue Gast ein weiterer Troll und Endgegner sein könnte: Selbst Piraten, die ich für ihre sonstige Arbeit sehr schätze, fehlt hier bis heute der soziale Grips.

Wie gehen wir also in Zukunft damit um, dass wir nicht der alte verschworene Haufen von damals sind, sondern die neuen Schultern fast wichtiger als die alten?

Natürlich als Menschen vor Ort; und indem wir die Partei auch sozial und nicht nur infrastrukturell als Beteiligungsermöglicher sehen. Denn wenn wir nicht mal die Kompetenz besitzen, denjenigen das Mitmachen anzubieten und niederschwellig Zugang zu organisieren, die mit uns physisch in einem Raum sind, werden auch alle Systeme, die wir jemals zu diesem Zweck bauen, Crap sein. Nicht weil deren Konstruktion oder Funktionalität fehlerhaft wäre, sondern schlicht weil es niemanden mehr gibt, der ihre Philosophie nach außen vertritt.

Es ist also eine sehr politische Frage, welche Kultur man in seinem Verband pflegt; und auch eine pragmatische, wenn man möchte, dass die Piratenpartei neue Menschen für die ehrenamtliche politische Arbeit gewinnt.

Wer glaubt, dies sei eine Lappalie, der ist bald allein.

*Eine nautische Metapher pro Text ist gerade noch im Rahmen, oder?

Ein lockerleichter Rant

Es ist Freitag Abend und zwischen mir und der Bundestagswahl liegen ein Wochenende, ein Urlaub und sehr viel Bier, Wein sowie selbstgekochte französische Mehrgängemenüs. Nun sitze ich wieder am Schreibtisch und denke über die Piraten nach. Ohne Zwang, ohne Verbitterung, durch den Exzess gelöst von der deutschen Wirklichkeit, die ich im Wahlkampf hautnah zu spüren bekam, die als inverser Saunagang mir den Schweiß in die Poren drückte. Das ernüchternde Ergebnis wurde bei mir also trotzig mit einer Bierdusche begossen. Ich bin in den letzten 7 Tagen öfter Baden gegangen als der pseudo-heroische Wähler an diesem traurigen 22. September 2013 und die Piratenpartei zusammen.

Ach Deutschland, Du piefiges fettes Bürgerturm, Du hättest mit uns Piraten im Bundestag einen zusätzlichen Gang auf Deine tägliche Speisekarte setzen können, etwas gewagtes Amuse Gueule für das tote politische System ohne Haute Cuisine und Handlungsphantasie. Du hättest Deine provokante Selbstgefälligkeit durch ein Ornament des Aufstandes im politischen Spektrum amüsanter ausschmücken können, die Aufregung in der Manege wäre Dir gewiss gewesen. Du hättest Dir in Deiner Dekadenz Feinde züchten können, Deutschland, die Du belustigt wegwischt, wie Spinner aus einer anderen Computer Bild, wie weltfremde Asoziale, wie idealistische Visionäre, die beim Arzt kommen, weil der Mann beim Stammtisch sitzt und lieber dumme Witze über Frauen macht. Es gäbe durch diese Hassliebe endlich wieder Spannung, Erotik gar in der Bundespolitik, die Dir, Deutschland, Höchstleistungen im Bett der konkurrierenden Ideen abverlangt hätte, die Dich an den Rand der Politikverdrossenheit gedrängt hätte, aus dieser Auseinandersetzung hätten Geschmack, Kennerschaft und Meinung zum Menü der Vorschläge als neue bürgerliche Tugenden erwachsen können. Ja ja, Deutschland, ich weiß: Wer Konjunktiv hat, sollte zum Arzt gehen. Doch leider sitzt der Status Quo dort bereits im Wartezimmer; er ist zudem Privatpatient.

Es ist jedoch nicht nur Dein mangelndes Selbstvertrauen, das Dich das Merkel wählen ließ, ohne der Herausforderung als Zutat eine Chance zu geben. Es ist zudem der deutsche und journalistische Glaube an den Ausbildungsberuf Politiker. Der Glaube, dass eine Armee aus Laien gut vernetzt einen Spitzenpolitiker wie Dingsbums qualitativ um ein Vielfaches ersetzen könnte, widerstrebt jedem bürgerlichen Stolz eines zu recht privilegierten Lenkers der Geschicke dieses Landes. Es ist kein Wunder, dass alle dominanten Medien dieses Landes von ihrer Struktur her lineare Medien sind. Fernsehen, Zeitung, Radio: Sie alle zelebrieren das Hintereinander ihres Informationsflusses, das Singuläre ihres Verkündens, das One-Point-to-Many-Prinzip, die Gatekeeper-Filter-Service-Philosophie und machen aus dem Nebeneinander und dem Chaos dieser Welt wieder eine konsistente, lineare Geschichte. Eine verteilte Kommunikation, die schwärmend durch die Netze flieht und an Lösungen arbeitet, ist in diesen alten Medienformen schlicht nicht darstellbar. Es widerspricht jeglichem Zentralismus, eine verteilte, ephemere und work-in-progress-Diskussion darstellen zu müssen. Wer hält denn dort die Fäden in der Hand? Wer sorgt denn dort für Ordnung? Wer ist der Repräsentant der Sanktion, der Repression in diesen unheimlichen Gebilden ohne Grenzen? Wo ist die Macht, an der man sich noch verlässlich orientieren kann? Jeder verantwortliche Medienmacher müsste sein eigenes Dasein im angeblich überlegenen Bildungsbürgertum überdenken, würde er hier nicht gegenhalten und bei jeder Gelegenheit fleißig und pauschal ‚Unprofessionalität‘ anprangern. Ja ja, Deutschland, ich weiß, ich darf vom Qualitätsjournalismus nur Handwerk und keine Intellektualität verlangen; aber für ein akademisches Studium spricht diese mangelnde Selbstreflexion nicht, eher für eine Ausbildung mit etwas Sprachkurs.

Doch dieses ‚Vertrauen‘ bzw. ‚Unvertrauen‘ ist tatsächlich ein ernsthaftes Problem für meine Partei und die vielen vormals unpolitischen Menschen, die sich nochmals aufgerafft haben, um den angeblichen Profipolitikern, die dort oben mit Wirtschaft und Lobbyisten Geld zusammenraffen, etwas entgegen zu setzen. Es mag sein, dass wir die oben genannten politischen Feiglinge niemals erreichen werden; aber dass sich intellektuelle Menschen wie Julie Zeh in Fernsehsendungen setzen und die FDP als liberale Kraft hochloben, das muss uns ein Warnschuss sein. Auch so einige Netzgrößen driften mit ihren herrschaftlichen Forderungen ins Bürgerliche ab, obwohl sie die verteilte Crowd und die netzige Problemlösung kennen müssten und mit ihrem diskursiven Einfluss konstruktiv gestalten könnten. Hier bricht vieles, was sich früher mal zu recht für klug hielt, weg aus dem modernen Verve und Fundus unserer Partei. Diese Schwäche und geistigen Schwächlinge können wir uns auf Dauer nicht leisten. Wir brauchen Debattenträger, die sich nicht von allen Aktivisten distanzieren, nur weil diese zufällig Piraten sind.

Ach Deutschland, Du piefige satte Netzgemeinde, Deine Denker lecken mit jeder weiteren Zynik das Blut des Bürgertums; und halten sich für Revolutionäre. Was für ekelige Hipster.

Ich plane schon mal den nächsten Urlaub und erzähle dann erneut von verdienter Dekadenz nach getaner Arbeit als Pirat, während ihr weiter auf ein Interview mit Mutti hofft. Spannend.

Viel Spaß in eurer Ödnis.