Die entscheidenden Kröpfe

Ich glaube an Arbeitsteilung. Besonders bei der Bewertung des Bundesparteitages: Irgendwer macht schon das mit der Beschluss-Analyse. Ich zumindest nicht.

Das Spektakel im Saal habe ich selten beobachten können, später immerhin mit 30 Sekunden Verspätung im Stream. Ich saß nie in den Reihen, auch meinen Landesverband habe ich nur gesehen, wenn er mir über den Weg lief. Vor meinem Rechner sitze ich nicht gerne in möglicher Geselligkeit und mein Laptop wurde gar nicht erst aufgebaut. Selbst die Frage nach meinem Twitternick konnte ich regelmäßig erfolgreich überspielen.

Alles untypisch und das mit gutem Grund: Mich haben diesmal Kröpfe statt Themen interessiert.

Als nahezu Unbekannter war die Ausgangsposition hervorragend: Ich habe mich anonym amüsiert und Menschen kennengelernt, die ich nicht kannte, die mich nicht kannten und bei denen ich der Stimmung und den Vorstellungen auf den Zahn fühlen konnte. Diese Partei ist relativ großartig, wenn man keinen Bock auf Klischees aber Lust auf Politik hat. Mit diesen Menschen etwas auf die Beine zu stellen, kann sehr viel Spaß machen.

Wenn sie sich nicht bedroht fühlen.

Dieses Gefühl der Bedrohung und der Versuch, aufzurüsten und eigenen Einfluss zu mehren, nennt man in der Politikwissenschaft ‚Realismus‘: Sicherheit gewinnt der vermeintlich Angegriffene seiner ‚realistischen‘ Ansicht nach nur durch eigenen Machtzuwachs. Manche Menschen haben nie etwas anderes gelernt und entlarven damit leider ihre Ängste gegenüber ihren Mitpiraten. Die Folge ist ein ewiger, trauriger Rüstungswettlauf.

Diese Teufelskreise müssen durchbrochen werden, denn Kommunikation gelingt nur auf der Basis von Vertrauen. Oft funktioniert so etwas erst, wenn neue Menschen dazustoßen. In Bremen habe ich jedem Vertrauensvorschuss gewährt und viel über die Einzelnen gelernt. Wie man mit neuen Menschen umgeht, ist für mich die soziale Crux jeder Mitmachpartei, mein Prüfstein.

Wer sich nur noch in seinen bekannten Kreisen und festen Bindungen wohl fühlt, sollte sich in die unproblematische Arbeitsteilung begeben und bitte niemals Schnittstellen dieser Partei belegen: Dafür kann er zu den Grünen oder in andere Altparteien gehen. Die macht-unintuitive Freude über neue Beiträger muss eingefleischte Philosophie sein, wenn wir als Freiwilligen- und Wissenspartei ernsthaft wachsen wollen. Hier sind manche Piraten erstaunlich unmodern, denn sie leben weiter eine Entscheidungsfindung, die nur richtig und falsch und kein Mitdenken mehr kennt. Für solche Menschen arbeite ich ungern, freiwillig schon gar nicht und sie langweilen mich in ihrer geistigen Provinzialität. Für den Austausch mit diesen Menschen brauche ich diese Partei nicht. Politik besteht zwar aus Meinungen und später Richtungsentscheidungen aber eben auch aus Vernunft, die keine Macht braucht, um andere zu überzeugen.

Wer mit der Möglichkeit nicht umgehen kann, dass er falsch liegt, ist für mich pseudo-politisch im Sinne der Piraten; vielleicht sogar „realistisch“ mit der Befürchtung, nicht recht zu haben. Er ist zumindest ein Kropf der Partei.

Wir müssen alle viel mehr reden, damit das Vertrauen wächst.

Reden statt Kröpfe.

Disclaimer: Es gibt nichts gravierendes zu berichten, nur neue Freunde.

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2 Gedanken zu „Die entscheidenden Kröpfe

    • Hä? Ich schreibe doch, dass genau das nicht der Fall ist und auch nicht sein sollte. lustige Lesart. Da hat sich wohl jemand im Text wiedergefunden und es schnell überlesen. Immer diese blinden Flecke… herrlich amüsant. :)

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