Ein schöner Tag

Es ist ein schöner Tag. Draußen ist es kalt, trüb, nass und regnerisch. Es ist Glatteis angesagt. Bestes Wetter, um Politik zu machen. Alles rutscht, die Nerven liegen blank. Besonders in Hamburg. Einige Piraten wünschen sich bereits die großen Gefahrengebiete zurück, damit sich die Anknüpfungspunkte wieder uniformieren und zu erkennen geben. Es wird unübersichtlich in den Straßen. Niemand will sich die Gelegenheit entgehen lassen, sich über das Wetter zu beschweren, jeder will mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, um ausholen zu können, doch ihnen fehlt der Grund. Die Presse berichtet über uns mit Sonnenschein, doch wir sind Kellerkinder, die dies nicht ficht. Diese Partei will dynamisch sein und dreht sich gerne um sich selbst, natürlich nur, um genügend Schwung zu holen, wie Schlittschuhläufer mit Messern unter den Füßen in ihrer Umlaufbahn. Wir wählen jedes Jahr neue Kometen, die in unserer Atmosphäre verglühen und freuen uns dabei wie Human Interest Redakteure über den Fall unserer Sternchen, die wir selbst voller Überzeugung in den Himmel loben, da den Job sonst keiner macht.

Das Spektakel ist Antriebsenergie in seiner trivialsten Form. Es ist eine Kraft, die immer auf der Suche nach dem niedrigsten Instinkt ist. Es will die Aufregung nur, damit alles bleibt wie es ist, aber es ist keine politische Kraft, die emanzipatorische Entwicklungen will, denn dies könnte nur Vertrauen. Dieses aufbauen kann das Spektakel nur in seiner situationistischen Utopie, nicht jedoch wenn es heuchlerisch in Diskursen badet und diese auf Kosten des Erfolges betreibt. Das Spektakel ist eine Kraft des Status Quo, wenn dieser nur noch sich selbst will.

Es klärt sich genau dies: Wer baut Vertrauen auf, wer will gar nicht kommunizieren und über die Zukunft sprechen. Am Ende des Tages weiß man mehr.

Deshalb ist es ein schöner Tag, denn es rutscht selbst das Misstrauen über seine falschen Prognosen, seine Vermutung des Scheiterns und seinen Neid und die Missgunst, denn wir bringen derzeit Themen nach vorne. Ob hier wieder einige unserer Kometen verbrennen, bleibt der Atmosphäre überlassen und den Egos, die das Spektakel für sich weiter wollen. Ich bin gespannt, ob alles so bleibt wie es ist und Piraten wieder ein mal nicht über Politik reden, die ihre Themen nach vorne bringt, sondern über sich selbst.

Und ich frage mich eigentlich nur, wann wir zum Feuer in die Höhle zurückkehren, damit bei uns noch was glüht. Ich ahne schon, wer sich dort zusammensetzt. Es wird der allerletzte Rest sein, der sich misstrauisch beäugt und sich dabei für die letzten Aufrechten hält. Ihre nervösen Blicke in die Runde werden nach neuem Brennmaterial suchen. Trolle beim letzten Abendmahl. Sie wollen, dass jemand über dem Feuer schmort, da sie wissen: Sie könnten jederzeit der nächste sein.

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