Warum ich gegen ein Statement Hamburgs zu #Bombergate bin

Es könnte sein, dass auch Hamburg sich zu der derzeitigen Aufregung um Eskapaden völlig merk-isolierter Aktivistinnen aus Berlin äußert. Ich werde mich bei dieser Entscheidung im Vorstand einer Äußerung nicht entgegen stellen. Trotzdem hier etwas illustrierter Irrsinn, damit klar ist, wie differenziert wir auch im Vorstand über solche Themen sprechen.

Ich möchte mich zu den Aktionen nicht äußern, weil…

…kein Mitglied des Landesverbandes Hamburg betroffen ist.

…der Landesverband Hamburg nicht Ort des Geschehens war.

…der Landesvorstand grundsätzlich nicht auf Tweets und Hashtaggates reagiert, auch wenn diese sich selbst für repräsentativ halten.

…wir in Hamburg auf unseren Webseiten über unsere politischen Anliegen berichten und nicht über parteiinternen Boulevard.

…der Landesvorstand die Aktionen einzelner Mitglieder nicht offiziell kommentiert, sondern ein diskretes Verfahren mit Anhörungen einleitet, um sich aus erster Hand zu informieren und daraufhin Maßnahmen zu besprechen.

…sich der Hamburger Vorstand für eine integrative Instanz hält, die nicht Menschen ausschließt, sondern an der politischen Arbeit dieser Partei beteiligen möchte.

…wir im Landesverband Hamburg keine Probleme mit Gruppierungen und Spaltungen haben, sondern ein gesundes Verhältnis zu allen Strömungen der Partei pflegen und noch miteinander sprechen.

…wir uns nicht von ungewählten Teilen der Partei nötigen lassen.

…wir dadurch nicht Beobachter der Eskalation sind, sondern mit einem Statement die Aufregung aktiv verlängern.

…wir einen nahen Landesparteitag haben, der mit Anträgen zum Thema der richtige Ort wäre, Debatten über die Richtung unserer Partei zu führen. (Antragsfrist 07.03.)

…ich mich nicht in eine Weltkriegsdebatte hineinziehen lasse, die nie den Verdacht einer Relativierung vermeiden kann, schon weil der Auslöser selbst eine Relativierung darstellt. Zudem, weil man durch seine Positionierung zugibt, dass das in unserer Partei nötig wäre, oder Sprachnazis nicht unseren Good Will, sondern Fettnäpfchen im Text finden werden.

…es derzeit keine Austrittswelle in Hamburg gibt, auch wenn einzelne sich eine Pause gönnen.

…ich Kritik am Buvo nicht öffentlich formuliere, sondern im Zweifel direkt an ihn herantrage. Dieses Angebot gilt für jede mir zugetragene Kritik, selbst wenn ich sie nicht teilen kann.

…ich einen Wettlauf um die beste Formulierung unter den Verbänden für einen Vorfall, der nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, für äußerst peinlich halte.

…mich der Hass in unserer Partei und das Prangern traurig zurück lässt und ich keiner Seite weitere Aufmerksamkeit schenken möchte.

…dieser Streit so viele Stunden Lebenszeit vernichtet  hat, dass wir damit die Berliner Mauer wieder hätten aufbauen können. Die Scharfmacher dieser Diskussion haben bereits erste Steine auf die Baustelle geschmissen und ich will durch ein weiteres Statement nicht auch noch Mörtel spielen.

…ich den Wunsch nach öffentlicher Äußerung des Hamburger Landesverbandes für ein emotionales Bedürfnis halte, dessen mittelfristige Wirkung auf positiver Seite überschätzt, auf negativer Seite aber völlig unterschätzt wird und damit völlig kontraproduktiv für die Piratenpartei wäre.

…ich eine Äußerung derzeit für völlig populistisch halte.

…und viele Kleinigkeiten mehr, die in Summe gegen eine Stellungnahme sprechen würden.

Ich weiß, meine Haltung ist derzeit nicht populär. Mir zeigt diese Diskussion jedoch auch, welches Ungeschick sich diese Partei in hohe Ämter gewählt hat. Eine Politische Reaktion aufgrund emotionaler Regungen und Stimmungsschwankungen einer Möchtergern-Basis aus Lautsprechern und längst Ausgetretenen ist übereilt und in keiner Weise besonnen. Wir unbeteiligten Landesverbände machen keine Sachsen-, Bundes- oder Berliner Politik – auch wenn es manchen weh tut, dass sie hier keine Hebel haben. Das einzige, was wir tun können, ist reden aber nicht entscheiden – auch wenn das einigen nicht ins Selbstverständnis passt.

Sollte in meinem Landesvorstand mehrheitlich ein Statement gewünscht sein, so werde ich mich dem anschließen und dieses auch als gemeinsames Abstimmungsergebnis vertreten. Wir lösen damit jedoch keine Probleme, sondern opfern unsere Zeit für Bullshit und freidrehende Personen in anderen Bundesländer, die meiner Meinung nach in jeder Hinsicht unwichtiger sein sollten, als sie es derzeit in dieser Partei sind. Da bin ich übrigens eurer Meinung. Nur lässt mich auch die Tatsache, wie sich hier Vorstände von Hysterien treiben lassen, daran zweifeln, ob in diesen Ämtern wirklich Weitsicht waltet und sie sich dort nicht bundesweit etwas zu wichtig nehmen. Ich weiß, auch diese Ansicht ist nicht populär und hiermit auch mal eine öffentliche Kritik über die Landesgrenzen hinweg.

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Ein Gedanke zu „Warum ich gegen ein Statement Hamburgs zu #Bombergate bin

  1. Naja, es ist auch möglich mit einem Statement nicht eine oder beide oder alle Seiten bloßzustellen, sondern auch zu differenzieren; zu sagen, was nicht geht, und trotzdem integrativ zu handeln.

    Ich würde mir wünschen, daß der Diskurs nicht über die Onlinemedien ausgetragen wird, sondern vor allem auf Parteitagen und daß ein Aufruf in die Richtung stattfindet. Du sprichst es ja auch schon an.
    Momentan wird zum größten Teil nicht gelenkt, sondern die Diskussion wird sich selbst überlassen oder sogar angeheizt. Dazu tragen natürlich auch manche Statements von LVs bei, von beiden Seiten. Doch solche Statements müssen ja nicht derart sein. Zu #hh2112 sind wir mit ganz gutem Beispiel vorangegangen. Warum nicht auch hier? Natürlich betrifft #bombergate nur die Piraten und natürlich die Piraten deutschlandweit und nicht nur uns, aber es betrifft uns eben auch mit, wie zu sehen ist.
    Darüber hinaus muss ein internes Statement auch nicht unbedingt auf die Startseite, sondern könnte in einen eigenen öffentlichen Bereich ausgelagert werden. Um die Verbreitung mache ich mir angesichts der Online-Vernetzung der Partei dabei wenig Sorgen…

    Nichtsdestotrotz Danke für Dein Meta-Statement. :-)

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